kleiner Schmetterling


Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling,
 Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben.
                                  Hans Christian Andersen
                                                       (1805 - 1875) dänischer Märchendichter
 








Die Parabel vom kleinen Schmetterling

Eines Tages erschien eine kleine Öffnung in einem Kokon; ein Mann beobachtete den zukünftigen Schmetterling für mehrere Stunden, wie dieser kämpfte, um seinen Körper durch jenes winzige Loch zu zwängen. Dann plötzlich schien er nicht mehr weiter zu kommen. Es schien als ob er so weit gekommen war wie es ging, aber jetzt aus eigener Kraft nicht mehr weitermachen konnte. So beschloss der Mann, ihm zu helfen: Er nahm eine Schere und machte den Kokon auf. Der Schmetterling kam dadurch sehr leicht heraus.



 


Aber er hatte einen verkrüppelten Körper, er war winzig und hatte verschrumpelte Flügel. Der Mann beobachtete das Geschehen weiter, weil er erwartete, dass die Flügel sich jeden Moment öffnen und sich ausdehnen würden, um den Körper des Schmetterlings zu stützen und ihm Spannkraft zu verleihen. Aber nichts davon geschah Stattdessen verbrachte der Schmetterling den Rest seines Lebens krabbelnd und mit traurigen Flügeln
und Niemals war er fähig zu fliegen.


 



Was der Mann in seiner Güte und seinem Wohlwollen nicht verstand, dass der begrenzende Kokon und das Ringen, das erforderlich ist damit der Schmetterling
durch die kleine Öffnung kam, der Weg der Natur ist,
um Flüssigkeit vom Körper des Schmetterlings in seine Flügel zu fördern. Dadurch wird er
  auf den Flug vorbereitet sobald er seine Freiheit aus dem Kokon erreicht.



                                                                                                 PHotos Jasmin


 Manchmal ist das Ringen genau das, was wir in unserem Leben benötigen.
Wenn wir durch unser Leben ohne Hindernisse gehen dürfen,
würde es uns lahm legen.
Wir wären nicht so stark, wie wir sein könnten, und niemals fähig zu fliegen.
 




 

 

Ein Mann wollte einen großen Weisen besuchen. Er fragte, wo er ihn finden könne,
und man führte ihn zu einer kleinen Hütte
 am Stadtrand.
Drinnen befanden sich nur ein Bett und ein Tisch voller Bücher,
 die ein alter Mann studierte. Der Besucher war erschüttert.
 „Wo wohnt der Weise?“
fragte er.
 

 
„Ich bin es, den du suchst“, sagte der Alte. „Warum bist du so verstört?“
„Ich verstehe das nicht. Ihr seid ein großer Weiser mit vielen Schülern.
Euer Name ist überall im Land bekannt.
Es gehört sich doch nicht, dass Ihr in einer solchen Hütte lebt.
 Ihr solltet in einem Palast wohnen!“
 
„Und wo wohnst du?“ fragte der alte Mann.
 


 




„In
einer Villa mit vielen schönen
Möbeln.“
 
„Und womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?“

Der Mann erklärte, er sei Geschäftsmann und reise zweimal im Jahr in eine Großstadt,
um Waren zu kaufen und an die örtlichen Händler weiter zuverkaufen.
Der Weise hörte aufmerksam zu und fragte,
wo er in der Stadt wohne.
„In einem kleinen Zimmer einer kleinen Herberge“, antwortete er.



 
„Wenn jemand dieses kleine Zimmer betreten würde,
 könnte er doch fragen: ,Warum wohnst du als reicher Geschäftsmann in einem solchen Zimmer?‘ Und du würdest antworten:
 ,Ich bin nur kurz hier, darum brauche ich nicht mehr.
Komm in mein wahres Heim, und du wirst sehen, dass es ganz anders ist.‘

 
                                                                                                                                                                                                                        PHOTOS  Jasmin
 
Nun, mein Freund, das Gleiche gilt für mich. Ich bin ebenfalls unterwegs.
 Diese materielle Welt ist nur eine Straße und mein Heim sieht ebenfalls
  ganz anders aus. Komm in mein spirituelles Heim, und du wirst sehen,
                   dass
                                     ich
                                                    in
                                                                   einem
                                                                                      Palast   
                                                                                                               lebe.“
 



 
 
 
  
 
                               Die Gänsemagd






Geschichte einer Gänsehüterin
 
Zuerst gab es keinen Anfang
die Pflicht war schon da
schon lange vor dem Licht
und die Mutter sagte stets:

Nur durch Pflicht kommt das Licht.
Das Kreuz war ganz einfach
ohne Füße ohne Flügel
man konnte nicht hinüber
in dem Korn mußte man bleiben
bis zur bitteren Sense.
Die Magd war im Schnee geboren
hell war der Kopf aber finster der Blick.
Die Hauptsache hatte keinen Namen
sie stand am bitteren Ende
in schwarz gekleidet.
Etwas muß es geben
auf der anderen Seite der Blätter
etwas anderes muß es noch geben,
dachte die kleine Magd,
sonst wäre die Musik nicht so schön.
Dort oben fliegen Kreuze herum
Gabelweihe und Adler
irgendwo muß es eine Sonne geben
damit die Kreuze fliegen können
damit sie nicht bleiben müssen
bis zur bitteren Sense.





 
Aber sie wußte schon, daß man
keine blöde Frage stellen sollte, z.B.
warum die Pflicht, warum das Licht,
und warum könnte es auch nicht gehen
ohne diese verdammte Pflicht.
Deswegen gab sie nur Antworten
hell wie ihren Kopf
finster wie ihren Blick
und bitter wie die letzte Sense.
Hatte sie nicht einmal den guten alten Gott gefragt:
Warum muß man gut sein?
Damals war es noch der gute
alte weise Gott der Liebe.
Er hatte geschmeichelt und gesagt:
Moment, Kleine. Antworten will ich zugleich.
Gerade noch ein paar verlorene Sterne fangen,
das dauert nur ein Tausend Jahr,
denn ungeheuer grau herrscht
die Seele über die Sonne.
Hatte sie nicht einmal
die warme honige Mutter gefragt:
Mutter, sage warum der Himmel
warum das Kreuz, warum das Brot,
warum der Morgen, warum der Tod.
Und die weiche warme Mutter hatte geseufzt
und das Buch der Zeit leise aufgeschlagen. 
Hier steht es geschrieben, Kind.
Vergangenheit ist rotes Leid,
das Weinen wassert kein Gesicht,
nur stumme Steine bevölkern
die fragende Nacht.
Um den Schmerz nicht zu rühren
muß man die Liebe abwürzeln;
die Hoffnung früh abschneiden
damit sie kräftiger nachwächst;
die Sonne nicht mit Gott verwechseln
entweder Sonne oder Gott abschaffen
damit keine Verwechslung möglich sei;
manche gefährliche Worte sowie
Gold und Blut, Kind und Baum
ins Papier zurückstoßen




 
 
damit man sie besser verbrennen kann.
Die Welt lange lange
auf den Schultern tragen
damit du einen schönen Gang bekommst.
Ja, Kleine, so kann man ewig bleiben,
nackt in der Erde, den Mund
an die Sonne gefesselt,
so kann man die ewige Pracht
am tiefsten leiden.
 Mutter, das geht doch nicht.
Meine Hände wissen etwas was anders;
Das noch keinen Namen hat.
So ging die kleine Gänsemagd in die Lehre.
Eigentlich war sie in der Lehre geboren
und wußte es nicht. Ohne Pflicht kein Licht.
Und die samtene dunkle Mutter zeigte ihr
wie man die grauen Morgen
in blau anstreicht.
wie man die kostbaren Stunden
mit Tränen einmacht,
wie man Leichentücher und Windeln
in Falten legt,
wie man das Gedächtnis
als Stopf Kugel benützen kann
um die Hoffnung besser zu stopfen.
Die kleine Magd lernte auch, daß man
einen alten Schmerz nicht mehr
verbrauchen konnte, weder durch Flicken
noch durch Kochen.
Aber niemand konnte ihr sagen
warum man Kreuzotter und Kreuzspinne,
Kreuzfahrer und Kreuzritter
immer an Kreuzwegen antraf.
Niemand sagte ihr warum
alle Kreuzträger kreuzlahm waren
und warum es dort oben, bei den Adlern,
fliegende Kreuze gab.
So ging sie aus dem Feld
und fiel auf ein tanzendes Hakenkreuz.
Es konnte fliegen und lachen
es war selbst eine Sonne
eine vierfaltige Sense
freier Anfang, freies Ende.



 
 
So blieb die kleine Magd
an dem Hakenkreuz hängen
mit dem Haar und mit den Händen,
aber tanzen konnte sie trotzdem nicht
denn sie trug das Kornfeld mit sich
sie war zwischen Kreuzen geboren.
So heiratete sie die Schuld.
Ihre Knochen aber wurden
nicht breiter dafür. Das Korn
wurde rot mit Liebe und Blut
aber weder Kreuze noch Sense
waren zufrieden.
Das Feld wurde weiß
mit Knochen und Schnee
aber weder Liebe noch Blut
waren zufrieden.
Die Erde wurde schwarz
mit Vergessenheit und Nacht
aber zwar unter dem Wasser
hörte man die Vögel noch schreien.
Die kleine Magd hing
auf den durstigen Kreuzen
und niemand konnte ihr sagen
warum die Lüge immer gekleidet war
und das Elend so nackt
wie Knochen auf Stein.
So ging sie aus der Lehre
zerstoßen aber stolz
und mit den Händen vollen Worten.
Soll die Liebe allein
schuldig sein, dachte sie,
so gibt es auch keine Entschuldigung.
Und sie tauschte die Worte um
gegen die wortlose Welt,
kaufte sich eine große stille Schürze
und sagte zu der Liebe:
Meine Muttersprache bist du.






 Durch Asche und Schnee waren die Jahre
wieder jung geworden
und die Magd so federleicht
so wolkengleich und bergenweiß
daß niemand genau wußte:
war sie noch da oder nicht.
So kam manchmal ein armer Kreuzträger
über Schmerz und Tal bis an den
lebendigen Ort wo sie atmete,
schwang sich mühsam hinauf und fragte:
hier soll Gott wohnen;
habt ihr ihn kürzlich gesehen?
                                                  illustriert/Plakat  Jasmin


 
Die Gänsemagd aber zeigte die roten Berge
schüttelte den Kopf und flüsterte:
dort hinten. Er wird noch schlafen.
Geht leise, leise, leise...
Und sie rann die Wiese hinab,
nahm geschwind das Kind
das da spielte und versteckte es
unter ihre große stille Schürze.
Denn welcher Kreuzträger könnte das vertragen:
zu erfahren, daß Gott noch ein Kind ist.-
Deswegen bleibt der Schmerz ungehorsam
und alle Zungen sind zurück zur Erde
damit ihn niemand übersetzen kann. 

               Isabelle Reff
 
 

Geschichte einer Elsässerin 
poemes 1972 chez Chamballand, Paris.
Ed. Landsfir
 


 
 



 
 
 
                                                                                                                                                                      PHOTOS Jasmin
kleine Engel

 
 
Der traurige Engel

Als er zum ersten Mal die Welt betrat mit unbefleckten Flügeln,
um seines Gottes Botschaft zu verkünden:

Einer wird kommen und die Welt den Frieden lehren,
kam Hoffnung auf und Zuversicht,
dass die Vernunft würd‘ siegen.

 
 

 
Die Hoffnung trog und die Vernunft wich dem Verrat und wildem Hass.
Und tiefe Traurigkeit beschattete das Antlitz jenes Engels,
und seiner Flügel einstmals makelloses Weiß
war fortan rußgeschwärzt.


 

 
Die Botschaft jenes hoffnungsvollen Engels mahnt Jahr für Jahr,
nun schon seit zwei Mal tausend Jahren, in einer Winternacht,

 
 
 

der Zeit der Ankunft jenes Einen, zu Frieden und Vernunft
 
 
 

die Menschen in der Welt, und zaubert jenes Lächeln

auf die Menschen Mienen, das ihm, dem Gottesengel,
seit zwei Mal tausend Jahren fehlt.
 
              Margrit Bluhm



 


 

 

 

 

 
                  Stille, heilige
                    Nacht

 

                                                             Anna Amalia, mein altes kleines Puppenkind


 
 





Weihnachten 1898
 
 
                                                                                                                                                                           PHOTOS Jasmin





 
 
 





  Zwischen Himmel und Erde
 
Für keltische Zauberpriester, die Druiden, waren Mistelzweige heilig,
denn die Pflanze ist etwas Besonderes.


                                                                                                                                          

Ihre Wurzeln wachsen nicht aus der Erde heraus, sie wächst
auf Bäumen, zum Himmel.




 



 




                                                                                                                                                                                         PHOTOS  Jasmin


......die Mistel als Heilung, und über der Haustür soll sie das Eindringen des Bösen verhindern, was ja auch nicht zu verachten ist.

 

 
Eine Legende erzählt, dass die Mistel vor dem Tod Jesu Christi ein Baum gewesen sei und aus dessen Holz man das Kreuz gezimmert habe.
Aus Trauer und Scham habe sich der Baum nach dem Kreuzestod Jesu in ein Gewächs verwandelt, das Gutes bringen sollte, die unter ihm hindurchgehen.

 


So galten Misteln immer als Glücks- und  Friedenssymbol und sie bedeuten es noch heute.
  
Zwischen Himmel und Erde
 




 





 
 
 
 
 

      Schlåf siaß, herzliabes Kind!

 
  
 
 
Es wird scho glei dumpa, es wird scho glei Nåcht, 
Drum kim i zu dir her, mei Heiland auf d'Wacht.
Will singen a Liadl, dem Lieblingl dem kloan,
Du mågst jå net schlåfn, i hör die nur woan.
Hei, hei, hei, hei!
Schlåf siaß, herzliabes Kind!



Vergiss hiaz, o Kinderl, dein Kummerl, dei Load,
dass d'dåda muaßt leidn im Ståll auf da Hoad.



 
Es ziern jå die Engel dei Liegerstatt aus.
Möcht schöna nit sein drin an König sei Haus.
Hei, hei, hei, hei!
Schlåfsiaß, herzliabes Kind!




 

 
 
 
Zünde dir eine Kerze an

Zünd  dir a Kerzl an
(å)  siaß Lied

 
å Kinderl, du bist hålt im Kripperl so schen,
mi ziemt, i kånn nimer då weg von dir gehn.
I wünsch dir von Herzerln die süaßte Ruah,
die Engerl vom Himmel, die deckn di zua.
Hei, hei, hei, hei!
Schlåf siaß, herzliabes Kind!

 

                                                                                                                                               PHOTOS Jasmin

Måch zua deine Äugal in Ruah und in Fried
und gib mir zum bschied dein Segn no gråd mit!
ft werd jå mei Schlaferl a sorgenlos sein,
åft kånn i mi ruahli aufs Niederlegn gfrein.
Hei, hei, hei, hei!
Schlåf siaß, herzliabes Kind!
 
 


 
 


 
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                                       Es war zur lieben Weihnachtszeit