dås alte Minnelied... 
um 1516


Et såß e kli wäld Vijeltchen
af enem gränen Nästchen.
Et sång de gånz Wänjternocht,
de Stämm, dä mosst em klänjen.
 
 

 
"Sänj ta mer mih, sänj ta mer mih,
ta klenet wäldet Vijeltchen!
Ech wäll der schreïwen af denje Flijel
mät giëlem Guld uch gräner Segd."
 
 
 

 
"Hålt ta de’ Guld, hålt ta denj Segd,
ech wäll der nemmih sänjen.
Ech bän e kli wäld Vijeltchen,
und nemmest kån mich zwänjen."
 

                                                                                                                                                                                                                             PHOTOS Jasmin

 
"Gånk ta eruof äm deffen Duof,
der Reif wird dech uch dräcken."
"Dräckt mech der Reif, der Reif äs kålt,
Frä Sann wird mech erquäcken."
 
          (Trad. aus Siebenbürgen, Rumänien)





 




             Zum

                   
Himmel  schauen



 
 

 
 
                             Als Gott die Welt schuf, fragte er die Tiere nach ihren Wünschen.
        Er hörte sie alle an und erfüllte ihre Wünsche.

 
 
 
 

 

Als die Menschen davon erfuhren, wurden sie unwillig,
weil sie nicht gefragt wurden. »Wir können mit dieser deiner Welt nicht zufrieden sein«,
stellten sie hart und unmissverständlich fest!

 
 
 
 
 
»Das sollt ihr auch nicht«, erwiderte Gott,

 
 
 
 
 
»eure Heimat ist nicht diese Erde, nur die Überraschungen der Ewigkeit allein.«

 
 
 
                                                                                                    PHOTOS Jasmin
 
 
Seitdem tragen die Tiere ihre Augen zur Erde,
 der Mensch aber geht aufrecht und schaut zum Himmel.
 
 
                       Legende aus dem Mittelalter


 

 
 
 










 


Wie viele Straßen muss ein Mensch runter laufen,
bevor man ihn einen Mensch nennen kann?
Wie viele Meere muss eine weiße Taube überfliegen,
bevor sie im Sand schlafen kann?



 
Ja und wie oft müssen die Kanonenkugeln fliegen,
bevor sie für immer verbannt sind?
Die Antwort mein Freund verweht im Wind.
Die Antwort weht im Wind.

Wie viele Jahre kann ein Berg existieren,
bevor er ins Meer gewaschen wird?
Wie viele Jahre können einige Völker existieren,
bevor sie frei sein dürfen?

Ja und wie oft kann man den Kopf in den Sand stecken
und so tun, als würde man nichts sehen?
Die Antwort mein Freund weht im Wind.
Die Antwort weht im Wind.




Wie oft muss ein Mensch hinaufschauen,
bevor er den Himmel sehen kann?
Und wie viele Ohren muss der Mensch haben,
bevor das Weinen eines anderen hört?

Und wie viele Tode wird es brauchen, bis wir wissen,
dass schon zu viele Menschen gestorben sind?
Die Antwort mein Freund verweht im Wind.
Die Antwort verweht leider im Wind


 
Wie viele Straßen auf dieser Welt,
sind Straßen voll Tränen und Leid?
Wie viele Meere auf dieser Welt,
sind Meere der Traurigkeit?
Wie viele Mütter sind lang schon allein,
und warten und warten noch heut'?

 
Die Antwort, mein Freund
weiß ganz allein der Wind,
die Antwort weiß ganz allein der Wind.

Wie große Berge von Geld gibt man aus,
für Bomben, Raketen und Tod?
Wie große Worte macht heut' mancher Mensch,
und lindert damit keine Not?
Wie großes Unheil muss erst noch gescheh'n,
damit sich die Menschheit besinnt?

Die Antwort, mein Freund
weiß ganz allein der Wind,
die Antwort weiß ganz allein der Wind.

 
              
                                                                                                                                                                                                                                   photos jasmin

 
Wie viele Menschen sind heut' noch nicht frei
und würden so gerne es sein?
Wie viele Kinder geh´n abends zur Ruh´
und schlafen vor Hunger nicht ein?
Wie viele Träume erflehen bei Nacht,
wann wird es für uns anders sein?

Die Antwort, mein Freund
weiß ganz allein der Wind,
die Antwort weiß ganz allein der Wind.




 
 



      Himmelreich  

 

 

Warum erfüllen uns Gräser, eine Wiese, ein Baum mit so reiner Lust ?
Weil wir da Lebendiges vor uns sehen, das nur von außen her zerstört werden kann, nicht durch sich selbst.
Der Baum wird nie an gebrochenem Herzen sterben und das Gras nie seinen Verstand verlieren.
Von außen droht ihnen jede mögliche Gefahr, von innen her aber sind sie gefeit.
Sie fallen sich nicht selbst in den Rücken wie der Mensch mit seinem Geist und ersparen uns damit
das wiederholte Schauspiel unseres eigenen zweideutigen Lebens.


           - Christian Morgenstern -

 
 
 

 
Gehe aufrecht wie die Bäume,
liebe dein Leben
so stark wie die Berge,
sei sanft wie der Frühlingswind,

bewahre die Wärme
der Sonne im  Herzen,

       Weisheit
 
 
 
 
Nur der Einsame findet den Wald;
wo ihn mehrere suchen, da flieht er,
und nur die Bäume bleiben zurück.

 
                 Peter Rosegger
 

 
 
 
 
 
Wir müssen nicht erst sterben, um ins Himmelreich zu kommen.
Tatsächlich genügt es, vollkommen lebendig zu sein.
Atmen wir aufmerksam ein und aus und umarmen wir einen schönen Baum,
sind wir im Himmel.

 
 

 

                                                                                                                                     PHotos Jasmin
 
Wenn wir einen bewussten Atemzug machen und uns dabei unserer Augen,
 unseres Herzens, bewusst sind, 
 werden wir unmittelbar ins Paradies getragen.
 Frieden ist vorhanden. Wir müssen ihn nur berühren.
 Sind wir vollkommen lebendig, können wir erfahren, dass der Baum ein Teil des Himmels ist und dass auch wir Teil des Himmels  sind.
 
                               Thich Nhat Hanh


                         

 


Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt,
sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen.
Sprüche 3, 13+18

Von Menschen und Bäumen 
 
 

 „Man braucht zuweilen tieftiefe Einsamkeit, um sich der inneren Bezirke seiner Seele
wieder bewusst zu werden –
 des Erblühens und Reifens verborgener Gründe im heimlichsten Innern.“ (S. 15)
Dichterin der Seele Henriette-Brey von Gisela Seidel.  
 
 
Der alte Baum
 
Ein alter Baum der sich gen Himmel streckt,

zu dessen Krone Zweig an Zweig sich binde,

der unter dunkel, harter Borkenrinde

die Ringe seiner Jahre wohl versteckt.
 


 
 
 
In hundert Jahren wird er noch hier stehen,

wenn sich die Zeit schon lang gedreht

und neuer Geist durch Land und Köpfe weht,

hat er so manchen Sturm gesehen.
 




Sein Laub singt uns im Wind die alte Weisen,

von Liebesglück und Leid, das er geschaut,

und nur ein winzig Herz, geritzt in seine Haut,

wird mit ihm in die ferne Zukunft reisen.

                         Gisela Seidel 



 







 kleiner Schmetterling


Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling,
 Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben.
                                  Hans Christian Andersen
                                                       (1805 - 1875) dänischer Märchendichter
 








Die Parabel vom kleinen Schmetterling

Eines Tages erschien eine kleine Öffnung in einem Kokon; ein Mann beobachtete den zukünftigen Schmetterling für mehrere Stunden, wie dieser kämpfte, um seinen Körper durch jenes winzige Loch zu zwängen. Dann plötzlich schien er nicht mehr weiter zu kommen. Es schien als ob er so weit gekommen war wie es ging, aber jetzt aus eigener Kraft nicht mehr weitermachen konnte. So beschloss der Mann, ihm zu helfen: Er nahm eine Schere und machte den Kokon auf. Der Schmetterling kam dadurch sehr leicht heraus.



 


Aber er hatte einen verkrüppelten Körper, er war winzig und hatte verschrumpelte Flügel. Der Mann beobachtete das Geschehen weiter, weil er erwartete, dass die Flügel sich jeden Moment öffnen und sich ausdehnen würden, um den Körper des Schmetterlings zu stützen und ihm Spannkraft zu verleihen. Aber nichts davon geschah Stattdessen verbrachte der Schmetterling den Rest seines Lebens krabbelnd und mit traurigen Flügeln
und Niemals war er fähig zu fliegen.


 



Was der Mann in seiner Güte und seinem Wohlwollen nicht verstand, dass der begrenzende Kokon und das Ringen, das erforderlich ist damit der Schmetterling
durch die kleine Öffnung kam, der Weg der Natur ist,
um Flüssigkeit vom Körper des Schmetterlings in seine Flügel zu fördern. Dadurch wird er
  auf den Flug vorbereitet sobald er seine Freiheit aus dem Kokon erreicht.



                                                                                                 PHotos Jasmin


 Manchmal ist das Ringen genau das, was wir in unserem Leben benötigen.
Wenn wir durch unser Leben ohne Hindernisse gehen dürfen,
würde es uns lahm legen.




 

Wir wären nicht so stark, wie wir sein könnten, und niemals fähig zu fliegen.
 




 

 

Ein Mann wollte einen großen Weisen besuchen. Er fragte, wo er ihn finden könne,
und man führte ihn zu einer kleinen Hütte
 am Stadtrand.
Drinnen befanden sich nur ein Bett und ein Tisch voller Bücher,
 die ein alter Mann studierte. Der Besucher war erschüttert.
 „Wo wohnt der Weise?“
fragte er.
 

 
„Ich bin es, den du suchst“, sagte der Alte. „Warum bist du so verstört?“
„Ich verstehe das nicht. Ihr seid ein großer Weiser mit vielen Schülern.
Euer Name ist überall im Land bekannt.
Es gehört sich doch nicht, dass Ihr in einer solchen Hütte lebt.
 Ihr solltet in einem Palast wohnen!“
 
„Und wo wohnst du?“ fragte der alte Mann.
 


 




„In
einer Villa mit vielen schönen
Möbeln.“
 
„Und womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?“

Der Mann erklärte, er sei Geschäftsmann und reise zweimal im Jahr in eine Großstadt,
um Waren zu kaufen und an die örtlichen Händler weiter zuverkaufen.
Der Weise hörte aufmerksam zu und fragte,
wo er in der Stadt wohne.
„In einem kleinen Zimmer einer kleinen Herberge“, antwortete er.



 
„Wenn jemand dieses kleine Zimmer betreten würde,
 könnte er doch fragen: ,Warum wohnst du als reicher Geschäftsmann in einem solchen Zimmer?‘ Und du würdest antworten:
 ,Ich bin nur kurz hier, darum brauche ich nicht mehr.
Komm in mein wahres Heim, und du wirst sehen, dass es ganz anders ist.‘

 
                                                                                                                                                                                                                        PHOTOS  Jasmin
 
Nun, mein Freund, das Gleiche gilt für mich. Ich bin ebenfalls unterwegs.
 Diese materielle Welt ist nur eine Straße und mein Heim sieht ebenfalls
  ganz anders aus. Komm in mein spirituelles Heim, und du wirst sehen,
                   dass
                                     ich
                                                    in
                                                                   einem
                                                                                      Palast   
                                                                                                               lebe.“