Winter




                                                               Ludwig Richter




Ein Winterabend

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
lang die Abendglocke läutet,
vielen ist der Tisch bereitet
und das Haus ist wohlbestellt.


Mancher auf der Wanderschaft
kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
aus der Erde kühlem Saft.


Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
auf dem Tische Brot und Wein.

Georg Trakl (1887-1914)










frohe Adventszeit
















 


Still, still, heut ist Advent,

        sehen, wie unsere Kerze schön brennt,

 Haben wir zum Nachdenken etwas Zeit

und wir werden ruhig bleiben.



Still, still, heut ist Advent,

sehen, wie unsere Kerze schön brennt,

haben wir zum Wünschen noch Zeit,

das Christkind ist nicht mehr weit.









Still, still, heut ist Advent,

sehen wir, wie unsere Kerze schön brennt,  

suchen wir und finden wir sogar,

morgen, von dem Engel ein Haar.
















Aus dem Leben eines Blattes...






Aus dem Leben eines Blattes


Freddie liebte es, ein Blatt zu sein. Er liebte seinen Ast, seine blättrigen Freunde, seinen Platz hoch im Himmel,
 den Wind, der ihn herumwirbelte, und die Sonnenstrahlen, die ihn wärmten.
Freddie war von Hunderten anderer Blätter umgeben. Sie waren alle zusammen aufgewachsen.
Sie hatten gelernt, in den Frühlingswinden zu tanzen, faul in der Sommersonne zu liegen
 und von kühlendem Regen gewaschen zu werden.
Daniel war Freddies bester  Freund.
Es kam Freddie so vor, als sei Daniel der Klügste von ihnen.




Eines Tages ereignete sich etwas sehr Seltsames.
Derselbe Wind, der sie hatte tanzen lassen, zerrte und zog nun an ihnen,
als ob er ärgerlich wäre.
Allen Blättern wurde Angst und Bange. Was ist los?  fragten sie im Flüsterton.
Das passiert im Herbst,  erzählte Daniel. Für die Blätter ist es Zeit, ihr Zuhause zu wechseln.
 Einige Menschen nennen das sterben.

Müssen wir alle sterben?  fragte Freddie.

Ja  antwortete Daniel wir erledigen zuerst unsere Aufgabe. Wir erleben die Sonne und den Mond,
 den Wind und den Regen. Wir lernen zu tanzen und zu lachen und dann sterben wir.
Ich will nicht sterben  sagte Freddie mit fester Stimme. Willst du sterben, Daniel?
Ja, wenn meine Zeit gekommen ist, antwortete Daniel.
Wann ist das? fragte Freddie.
Niemand weiß das mit  Sicherheit, antwortete Daniel.
 Ich habe Angst zu sterben  sagte Freddie zu Daniel. Ich weiß nicht, wie es da unten ist.
 Wir alle fürchten, was wir nicht kennen. Das ist normal. Aber, Freddie: Du hattest auch keine Angst,
als der Frühling zum Sommer und der Sommer zum Herbst wurde. Das waren normale Veränderungen.
Warum solltest du vor der Jahreszeit Angst haben, in der du stirbst?
Stirbt der Baum auch?  fragte Freddie. 




Eines Tages. Aber es gibt etwas Stärkeres als den Baum. Das Leben.  Das währt immer.
Wohin gehen wir, wenn wir sterben?
 Niemand weiß das mit Sicherheit. Das ist ein großes Geheimnis.
Werden wir im Frühling zurückkehren?
Wir nicht aber das Leben.
Was hat das alles dann für einen Sinn? Warum sind wir überhaupt zum Leben erwacht,
wenn wir sterben müssen?
Daniel antwortete darauf auf seine sachliche Art:  Wegen der Sonne und dem Mond.
Wegen der schönen Zeit, die wir zusammen verbracht haben.
 Wegen dem Schatten, den wir den alten Menschen gegeben haben und wegen der Kinder,
die gespielt haben. Wegen der Farben im Herbst. Ist das nicht genug?


                                                                                                                                                                                                               PHOTOS JASMIN

An diesem Nachmittag fiel Daniel herunter. Er fiel mühelos. Er schien friedlich zu lächeln,
 während er fiel.

                          Auf Wiedersehen Freddie, sagte er.                                    

            nach Leo Buscaglia    





kleine Feen












im Feengarten 






Der Duft der Feen

Ihr lebt dort im Wald
so einsam und kalt.
Und doch erfreut ihr
den Ahnenden,
der sich euch nähert
in guter Absicht
mit eurem Duft.

 
Verborgen hinter
dem dummen Gerede
törichter Menschen
nicht verborgen
durch Bäume
und Sträucher
vertraut ihr
dem Suchenden
des Lebens
großes Geheimnis:




 
Und macht ihm Mut
zu leben und zu hoffen
und zu vertrauen
dem, der größer als ihr.

 
Ihr dort im Wald
so einsam und kalt,
ich lieb´ euch dafür.


     © P. Eitner